Schicksale vertriebener Frauen - Kapitel 5{1}

Internierung zur Zwangsarbeit
Zwangsarbeit n Lager Potulice n andere Lager n Alter, Verhöre
Transport n Vergewaltigung n Überleben n Unterkunft
n Ernährung n Todesfälle

   
 


 

Internierung zur Zwangsarbeit

Nach der Besetzung der deutschen Ostprovinzen durch die Rote Armee blieben große Teile der deutschen Bevölkerung, deren Flucht gescheitert war oder die nicht geflüchtet waren, zunächst in ihren bisherigen Wohngebieten zurück. Viele Zivilisten hatten darauf vertraut, dass ihnen keine Gefahr von den einrückenden Siegern drohe, weil sie sich nichts hatten zuschulden kommen lassen.

Seit März 1945 übergab die sowjetische Militärkommandantur die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße den polnischen Behörden, auch wenn sie sich in Streitfragen das letzte Wort vorbehielt.

Die verbliebene deutsche Zivilbevölkerung war nicht nur der Willkür der sowjetischen Besatzungstruppen, sondern auch den Vergeltungsmaßnahmen polnischer Milizen ausgesetzt, die der Roten Armee folgten. Diese rekrutierten sich überwiegend aus Freiwilligen und hatten gegenüber der inzwischen rechtlosen, einheimischen deutschen Bevölkerung weitgehend freie Hand. Den nördlichen Teil Ostpreußens mit Königsberg betrachtete die Sowjetunion hingegen als eigenes Territorium.

Nach deutschen Quellen fanden am Ende des Krieges im polnischen Machtbereich mindestens 200.000 Deutsche einen gewaltsamen Tod, größtenteils durch Rotarmisten und sowjetische Geheimdienstler, aber auch durch polnische Milizen. Polnische Historiker beziffern die Zahl der Deutschen, die nach dem Ende der Kampfhandlungen umgekommen waren, sogar auf 400.000 (einschließlich der Gebiete im nördlichen Ostpreußen). Deutsche Zivilisten berichten übrigens immer wieder, sie seien von polnischen Milizionären noch brutaler und demütigender behandelt worden als von Angehörigen der Roten Armee.


(vgl. Thomas Urban, Die Vertreibung der Deutschen und Polen
im 20. Jahrhundert, München 2004, S. 117, 120).

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