Schicksale vertriebener Frauen - Kapitel 4{2}

Deportation und Lager
Herkunftsorte n Transport n Überleben im Lager
n
Zwangsarbeit n Entlassung

   
 

 

„Mutter und Schwester blieben zu Hause; Vater und Zwillingsschwester wurden mitverschleppt; Vater in ein anderes Lager.“

„Fünf Jahre getrennt von meinem Sohn, den meine Mutter während dieser Zeit versorgt hat. Meine Schwester an Typhus im Lager1083 gestorben.“

Die zweitgrößte Gruppe unter den deportierten Frauen bilden in dieser Befragung die Zeitzeuginnen aus Ostpreußen (37 Frauen bzw. 28 Prozent). Sie wurden - ebenso wie die aus Westpreußen, Pommern, Schlesien oder aus dem Karpatenraum stammenden Frauen - meist ins Uralgebiet, nach Sibirien oder sogar ans nördliche Eismeer verfrachtet. In dieser Gruppe waren auch Frauen aus der Gruppe der „Vertragsumsiedler“, die nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939/40 aus den baltischen Staaten, aus Wolhynien, Galizien oder Bessarabien nach Westpreußen und ins Wartheland umgesiedelt worden waren.

Wie erwähnt, waren für die Deportierten Altersgrenzen festgesetzt worden. Diese Regeln wurden allerdings, wie die Aussagen der befragten Frauen belegen, oft nicht eingehalten. So waren unter den Mitgefangenen junge Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren, manchmal sogar Kinder, sowie Frauen, die älter als 60 Jahre waren.

Transport in Viehwaggons

In knappen Worten schildern die Frauen die Zustände in den Viehwaggons, in denen sie auf den Transporten in die Deportationsgebiete einpfercht und wochenlang bei eisiger Kälte unterwegs waren. Viele Menschen starben bereits hier an Hunger, Erfrierungen, Erschöpfung und Krankheiten:

„In Viehwaggons mit Eisengitter am Fenster, ohne Sitz, ohne Liegemöglichkeit. Drei Wochen ohne warme Suppe. Bittere Kälte. Ein Loch im Fußboden diente als W.C. für 60, später 90 Personen.“

„In drei Wochen zweimal warme Suppe, ansonsten täglich zwei Scheiben Trockenbrot, etwas Käse und fast kein Wasser. Es starben schon einige im Waggon, mein Vater bei Moskau. Die Toten wurden ausgezogen und auf die Kohlen geworfen.“

[Auf einem Transport nach Sibirien] täglich kurze Öffnung des Waggons und Frage: ‚Wie viel Tote?’; Ernährung: täglich eine halbe Tasse Wasser und eine Tasse Erbsensuppe. Eine Holzrinne wurde als Toilette benutzt. Kein Verlassen des Waggons innerhalb von vier Wochen.“

„[…] die Kälte in den vereisten Waggons; der Hunger und Durst; die kahlen Bretter in den Waggons als Schlafplätze ohne Decken: ein großes rundes Loch im Boden des Waggons für die Notdurft; und die Toten, die einfach in den Schnee geworfen wurden.“

Einer der befragten Frauen ist besonders in Erinnerung geblieben, „wie [unter solchen Umständen] eine Frau ein Kind geboren hat.“

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