Schicksale vertriebener Frauen - Kapitel 3{2}

Flucht und Vertreibung
Flucht n Zitate n Verlust von Angehörigen n Vergewaltigungen

   
 

 

Was war besonders schlimm?

Textpassagen aus den Antworten zu den Fragen „Was ist auf der Flucht alles passiert?“ und „Was war besonders schlimm?“ vermitteln einen Eindruck von den Ängsten und Schreckensbildern, die die Frauen damals erlebten:

„Tiefflieger beschossen uns, [wir] flohen [in den] Wald, nur noch ein Schreien. Tote Pferde und Menschen lagen im Straßengraben, hingen über Pferdedeichseln. Die Russen pferchten uns zusammen und nahmen uns das letzte Brot aus der Tasche. Hunger und Elend verfolgten uns. Unser 7 Jahre [alter] Bruder verstarb. Unser Vater im Februar gefallen, das kann niemand wieder gut machen - wird nie aus unseren Köpfen gehen.“

„Große ostpreußische Trecks wurden von russischen Panzern nieder gewalzt mit Frauen und Kindern, Opa und Oma.“

„Der Treck, der sich Fuhrwerk an Fuhrwerk auf der einzigen nach Stolp führenden Straße bewegte, wurde in den Straßengraben mit all den toten Menschen und Pferden gekippt. Eine deutsche Frau, die schwer verletzt mein Vater im Graben fand, wurde ins Haus geholt und musste den Russen übergeben werden.“

„Dass die rückwärts ziehenden Truppen die Trecks in den Straßengraben, [in] Schneewehen drängten, um schneller voranzukommen, Kinder, Kranke und Alte interessierten nicht.“

„Der Großvater warf sich beim Panzerbeschuss über meine Schwester und mich und rettete unser Leben.“

„Vergewaltigung der Mutter, Tieffliegerbeschuss [des] Trecks auf der Oderbrücke und danach.“

„Vergewaltigung. Es war sehr schwer. Nur Mutter und wir sieben Geschwister. 17-15-11-10-5 und Zwillinge, vier Jahre alt.“

„Vergewaltigungen miterlebt. Soldaten wurden vor unseren Augen erschossen und dann zum Spott an Bäume gestellt. Nächte im Wald verbracht. Tagelang gehungert. In geschlossenen Viehwagen auf der Flucht gewesen, die Leute lagen aufeinander. Notdurft wurde in den Viehwagen vollbracht. Leute starben vor Hunger. Häuser wurden angesteckt.“

„Der Beschuss der Bordkanonen. Menschen, die getötet oder verwundet wurden. Wildgewordene Pferde, die führerlos herumliefen. Wagen voll toter Menschen, tote erfrorene Kinder in Kinderwagen. Ganze Fuhrwerke, die in der Rinne versunken waren.“

„Torpedierung unseres Geleitzuges von russischen U-Booten: Zwei Schiffe gingen unter! In unserem Schiff blieb Torpedo als Blindgänger stecken, explodierte nicht!“

„Das Chaos am Bahnhof und der überfüllte Zug.“

„Jeden Morgen waren alte Leute und kleine Kinder im Waggon erfroren. In diesen 24 Tagen haben wir kein Essen oder Trinken erhalten, manchmal Wasser von der Lokomotive.“

„In Schnee und Eis ca. 20 Grad Kälte, gelaufen mit Gepäck und Kind auf Schlitten, die Angst, Phosphorangriffe durch Tiefflieger in Chemnitz auf dem Weg nach Erdmannsdorf. Diese schossen auf die Flüchtlinge.“

„Die Leute verschlossen die Türen, damit sie nicht von den vielen Vertriebenen belästigt wurden. […] Es starben viele Menschen, die die Angehörigen am Wegrand liegen lassen mussten, um weiter zu ziehen.“

„Eine verrückt gewordene Frau wurde erschossen“.

Manche Frauen wollen sich heute zu diesen Geschehnissen nicht mehr äußern:

„Kann man nicht erzählen, das war so schlimm, es würde nicht geglaubt werden, außerdem will ich auch gar nicht mehr darüber reden, bin 86 Jahre.“

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