Schicksale vertriebener Frauen - Kapitel 3{1}

Flucht und Vertreibung
Flucht n Zitate n Verlust von Angehörigen n Vergewaltigungen

   
 

 

Flucht und Vertreibung

Die hier dargestellte Auswertung der Aussagen zum Thema Flucht und Vertreibung basiert auf der Gesamtzahl der Geflüchteten von 381 Fällen (vgl. Diagramm E 4).

Für 138 der befragten Frauen, also für mehr als ein Drittel, begann die Flucht bzw. die Vertreibung im Januar 1945. Sie konnte, wie Tabelle F 5 zeigt, einige Tage und Wochen, aber auch Monate dauern. Viele Flüchtlinge, die zunächst wieder in ihre Heimat zurückkehrten, wurden bald darauf in den Massenvertreibungen aus den unter polnischer Verwaltung stehenden deutschen Ostprovinzen sowie aus der Tschechoslowakei endgültig vertrieben. Die im sowjetisch verwalteten Königsberger Gebiet zurückgehaltenen Frauen kamen erst ab Ende 1947 in mehreren Etappen bis 1951 frei.

 

Flucht

Als Auslöser der Flucht wird überwiegend das Näherrücken der Front bzw. der unmittelbar bevorstehende Einmarsch der Roten Armee genannt. Die Vorbereitungszeit für den erzwungenen Aufbruch war äußerst knapp. In dieser Hektik blieben den befragten Frauen meist nur wenige Stunden. Einige weisen darauf hin, dass die deutschen Behörden die Zivilbevölkerung nicht rechtzeitig evakuiert hatten und dass es verboten war, auf eigene Faust zu flüchten.

Die meisten befragten Frauen (etwa 80 Prozent) flüchteten zusammen mit ihren Familien und/oder mit der Dorfgemeinschaft (gut 20 Prozent). Fast 25 Prozent der Befragten erwähnten auch „Andere“ als Mitflüchtende. (Bei Mehrfachnennungen addieren sich die Antworten auf über 100 Prozent.)

Etwa fünf Prozent waren auf der Flucht allein auf sich gestellt. Über die Hälfte der Frauen flüchtete in voll gepfropften Eisenbahnzügen, ein Drittel mit Pferdefuhrwerken auf vereisten Straßen, gut 30 Prozent zu Fuß und zehn Prozent auf Schiffen (wie „Askari“, „Feodosia“, „Ubena“, „Deutschland“, „Kleine Seemöwe“, „Nordland“, „Potsdam“, „Walter Rau“, „Wilhelm Gustloff“ u.a.). Über acht Prozent waren mit einem Auto und fast 15 Prozent mit der Wehrmacht unterwegs.

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