Schicksale vertriebener Frauen - Kapitel 2 {1}

Auswertung der Fragebogenaktion
und die Herkunftsgebiete
Teilnehmerinnen n Altersgruppen n Herkunftsgebiete

 
Flichtwege in Hinterpommern.   FLUCHTWEGE IN HINTERPOMMERN
AM BEISPIEL VON MARGARETE HENRY (32)
FALLBESCHREIBUNG HIER
 

 

Methodische Vorbemerkung

Die in dieser Befragung erhobenen Daten ermöglichen - gemessen an strengen sozialwissenschaftlichen Kriterien - keine repräsentativen Schlüsse. Dies ist auch nicht der Anspruch der Initiatorinnen. Denn die vorliegenden ausgefüllten Fragebögen stellen keine Stichprobe im Sinne einer statistischen Zufallsauswahl oder eines anderen systematischen Auswahlverfahrens dar und ist im Übrigen zu klein. Viele Frauen älterer Jahrgänge, die Flucht und Vertreibung erlitten haben, leben nicht mehr. Die gesammelten Erfahrungsberichte ergeben kein flächendeckendes Bild und erlauben auch keine generellen Aussagen. Sie dokumentieren vielmehr verschiedene Ausschnitte aus dem umfassenden Geschehen von Flucht und Vertreibung.

Ferner muss berücksichtigt werden, dass in dieser Befragung - etwa im Unterschied zu der klassischen „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa“, die bereits in den 1950er Jahren unter der wissenschaftlichen Leitung von Theodor Schieder erarbeitet wurde - der zeitliche Abstand zum erlebten Geschehen erheblich größer ist, was sich zwangsläufig auch auf die Formen des Erinnerns auswirkt.

Die Teilnehmerinnen

Insgesamt wurden seit 2001 in ganz Deutschland über 10.000 Fragebögen nach dem „Schneeball-Prinzip“ verteilt. Über den Deutschen Frauenrat wurde auch in anderen Frauenverbänden für diese Aktion geworben. Bis März 2005 sind 507 ausgefüllte Bögen zurückgeschickt worden. Dieser Rücklauf ist angesichts des Alters der Adressatinnen wie auch der Thematik, die für die meisten von ihnen mit leidvoller Erinnerung befrachtet ist, ein großer Erfolg. Die Aussagen in den Fragebögen bieten eine in dieser Form bisher einzigartige Quelle. Sie dokumentiert nicht nur die Erfahrungen der befragten Frauen bei Flucht, Vertreibung, Deportation und Internierung, sondern veranschaulicht darüber hinaus die konkreten Folgen für ihre Biografien, die Präsenz im heutigen Leben der Frauen und ihrer Familien sowie ihre persönliche Verarbeitung und Vermittlung an nachfolgende Generationen.

Hinzu kommt: In der Flüchtlingsforschung der Bundesrepublik hat es noch nie systematische und speziell auf die Erfahrungen von Frauen bezogene Befragung von Zeitzeugen gegeben

Vielen Frauen fiel es nicht leicht, den Fragebogen auszufüllen, andere empfanden es hingegen auch als wohltuend, ihre Erfahrungen, Ängste und Traumata mitteilen zu können. Denn die Schreckensbilder wurden in der Nachkriegszeit und wegen der Notwendigkeit des Neuaufbaus einer familiären und beruflichen Existenz verdrängt, sie kommen mit zunehmendem Alter aber erneut ins Bewusstsein.

Den Fragebogen-Rücksendungen sind häufig aufschlussreiche Anlagen zur Ergänzung der Aussagen beigefügt. Diese Unterlagen bereichern die Materialgrundlage und geben ihr eine große Authentizität und Dichte. Sie enthalten zum Beispiel ausführliche Erläuterungen zu einzelnen Fragen, persönliche Aufzeichnungen, schriftliche Ausarbeitungen und Berichte zum Schicksal von Frauen bzw. ihrer Familien, Broschüren und Bücher, Lagerdokumentationen, Fotos, zeithistorisch interessante Dokumente wie Lagerpässe oder Entlassungsscheine, Briefwechsel, Unterlagen zu Anträgen auf Rente oder Entschädigung, Zeitungsartikel usw.

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